Ich wollte schon immer mal Trampen. Es steht schließlich auch auf meiner Bucketlist. Allerdings nicht auf der von Christoph. :D Jedenfalls kann man im Internet sehr gut herausfinden, wie toll Japan zum Trampen geeignet ist. Aufgrund von Erfahrungsberichten konnte ich Christoph nun davon überzeugen es mal auszuprobieren.
Zur zusätzlichen Ermutigung trafen wir ausgerechnet kurz vor unserer Tour auch noch auf ein weiteres Pärchen, welches auch durch Japan und durch viele andere Länder per Anhalter gereist ist. Sehr beeindruckend wie wir finden.

Also nicht lange weiter drüber nachgedacht, zack zum nächsten 7eleven, ein Stück Pappe und einen dicken schwarzen Filzstift organisiert und die nächste Parking Area gegoogelt. 
Problem No. 1 ist nämlich aus Großstädten raus zukommen um zur Autobahn zu gelangen. Daher sind wir erstmal mit dem Zug gefahren und ein paar Kilometer gelaufen. Was mit Backpacks und doch recht warmen Temperaturen anstrengender ist als gedacht. 
Mit Kribbeln im Bauch und auch ein bisschen Angst, vielleicht doch nicht mitgenommen zu werden, stellten wir uns an die Auffahrt der Autobahn. 
Wichtig! 

1. Die Schilder auch auf Kanji zu beschriften
2. Herzchen, Smileys oder der Mount Fuji mit Gesicht kommen auch mit aufs Schild
3. Immer lächeln
4. Keine Sonnenbrillen (das wirkt unsympathisch)
5. Die Leute grüßen
6. Auch während des Laufens z.B. zur nächsten Auffahrt immer die Schilder zeigen
7. Schilder können auch gerne an der Raststätte oderso beschriftet werden (dann sehen Japaner, dass man sich Mühe mit der Kanjischrift gibt)

Brav alle Tipps eingehalten standen wir keine 10 Minuten an der Auffahrt, da hielt das 1. Auto an. Waaaaah ist das aufregend. Völlig euphorisch sind wir zum Auto gestürmt und haben dem Herrn erklärt wo wir hin wollen. Mount Fuji! Ja!
Er selbst musste nicht dort hin wollte uns aber ein Stück mitnehemen. Was für ein Glücksgefühl!
Mit Google-Translate haben wir kommuniziert. Die Klassiker konnten wir auch auf Japanisch. Also haben wir uns vorgestellt: Watashi wa Christoph des. Unser Fahrer lacht und freut sich offenbar über unser Interesse an Japan. Als wir ihm erklärten, dass wir Deutsche sind haben wir mitbekommen wie er dies seiner Tochter per Whatsapp mitteilte. 
Er nutzte quasi seine Tochter, über Whats App, als Übersetzerin. 
Wir unterhielten uns und haben aus dem Gespräch herausgehört, dass er selbst aus Tokyo kommt und uns sehr gerne Tokyo gezeigt hätte. Leider trafen wir ihn zu spät. Wir waren schließlich auf dem Weg nach Kyoto mit einem kleinem Zwischenstopp am Mount Fuji. Also ca. 80 km erstmal bis zum Fuji.
Der nette Herr wollte uns unbedingt die ganze Strecke bis zum Mount Fuji fahren. Für ihn selbst waren das ca. 20 km weiter. Also 40 km Umweg, nur für uns. Bis zur Hostel Haustür. So unglaublich freundlich und hilfsbereit.
Wir waren so überwältigt. Wir wurden sogar gefragt ob wir nicht über facebook befreundet sein können. Wie süß! Btw. wir schätzen den Mann auf 55-60 Jahren. Unglaublich offen.
Diese Fahrt war ein absoluter Erfolg. Es lief perfekt. Bestärkt wollten wir unbedingt gleich morgens wieder auf die Straßen. Übrigens haben wir den Mount Fuji leider nicht wirklich sehen können da es zu bewölkt war. Toll.

Unser Hostelbesitzer hat auch mitbekommen, das wir Tramper bzw. Hitchhiker sind (hitchhiking ist das Englische Wort für trampen, wussten wir vorher auch nicht) und wollte uns zur nächstbesten Stelle bringen um gleich wieder vorran zu kommen. Dieses Angebot haben wir dankend angenommen. 
Diesmal haben wir nach einem 2 km Spaziergang ganze 4 Minuten gewartet. Ein weiterer Herr auch wieder um die 55-60 nahm uns mit. Allerdings ließ er uns weit von der Autobahn entfernt raus. Hieß für uns: wieder laufen.
Und als wäre das nicht genug, regnete es. 
Es ist so schwierig zur Autobahn zu kommen. Wir fanden eine Auffahrt. Wir standen ca. eine Stunde am Rand doch es hielt keiner an. 
Zusammengefasst: es hat geregnet, wir sind mit Backpacks viel gelaufen und es hat keine Sau angehalten... Da kann man sich vorstellen wie unsere Laune war. 
Was einem natürlich auch dazu veranlasst nicht mehr besonders freundlich miteinander umzugehen. Niedergeschlagen machten wir uns auf dem Weg zum nächsten 7eleven. Wir kauften ein paar Snacks und setzten uns wie Penner auf dem Boden vor dem Schaufenster. Vor uns unsere Schilder wohin die Reise gehen sollte. 
Da kam plötzlich ein Herr auf uns zu, er wollte in die richtung, die wir nach Nagoya auch einschlagen mussten (unserem nächsten Ziel vor Kyoto). Was für ein Segen. 
Der Herr war übrigens (wieder) um die 55-60, sprach kein Wort Englisch und wir hörten durchgehend klassische Musik. Schweigen. Die ganze Fahrt von ca 100 km. Der Stimmung entsprechend auch ok so.
Er ließ uns im nächsten Ort raus, in Okaya. Eine kleine nichtssagende Stadt. Aufgrund von Regen und mieser Stimmung entschieden wir uns eine Nacht dort zu nächtigen. 
Entschlossen und voller positiver Gedanken machten wir uns am nächsten Morgen wieder auf die Socken. 
Gleiches Problem wie irgendwie immer, wir müssen irgendwie Richtung Autobahn kommen. Also kurze Strecke mit dem Zug zurückgelegt und dann durch ein kleines Dorf zur nächsten Raststätte. Bei Sonnenschein. Es war viel los aber keiner wollte uns mitnehmen. Über eine Stunde haben wir gewartet. 
Wir entschieden uns, zur nächst größeren Landstraße zu laufen um evtl. auf einen Anhalter zu treffen.
Also wieder laufen. Auf dem Weg durch ein Dorf wurden wir dann tatsächlich eingesammelt. Von einem Mann der leider auch kein Englisch sprach, aber er konnte verstehen wo wir hin wollten. Er war etwas jünger so um die 40 würde ich sagen. Sein Auto war mit Folie ausgekleidet und er hat mit Zentralverriegelung das Auto verschlossen. 
Vlt hab ich zu viele Horrorfilme gesehen, ein bisschen komisch war es trotzdem. Wir hielten kurz an einer Bank und dann fuhr er uns zur nächsten Raststätte. Wir glauben tatsächlich, dass er da überhaupt nicht hin musste. Es war schwer mit ihm zu kommunizieren daher auch schwer irgendwie herauszufinden wo er denn eigentlich hin muss. 
Als wir ausstiegen drückte er uns 4000 Yen in die Hand. 
Ähm Moment mal, ein Mann der fremde Leute 30 km zur nächsten Raststätte fährt (obwohl er vermutlich da nicht hin muss) gibt uns dann einfach mal umgerechnet mehr als 30 Euro. Wir wollten das Geld nicht annehmen aber er Bestand darauf. Okay. Wir waren wieder völlig fertig von so vielen positiven Gefühlen.
Da standen wir nun an der Raststätte haben unsere Schilder eine GANZE MINUTE hochgehalten, da hielt schon das nächste Auto an, vielmehr drehte es einmal, um uns dann mitzunehmen. 
Bitte was? Was ist das? Wir konnten unser Glück nicht fassen. 
Ein nettes Pärchen um die 60 in einem sehr luxuriösen Van nahm uns mit. Mit Google Translate verständigten wir uns und kamen bis zur einer Raststätte kurz vor Nagoya. Die beiden freuten sich so das sie uns über 100km fahren konnten. Schon süß. 
Hier standen wir wieder etwas länger. Es waren viele Leute unterwegs aber keiner hatte erbarmen mit uns. Zwischendurch überkam uns der Hunger und wir gönnten uns eine Ramen Suppe. Die Leute fanden uns scheinbar auch sympathisch. Ab und zu bekamen wir einen Daumen oder ein auch ein Lächeln geschenkt. Mehr auch nicht. 
Problem diesmal. Wir standen 10 km vom nächsten Hotel entfernt, wenn uns dort keiner mitgenommen hätte... Nein ich will da garnicht dran denken...
Wir hatten aber Glück. Ein dicker Mercedes hielt an! Ein Auto bei dem wir nicht erwartet hätten mitgenommen zu werden. Jedenfalls hatte der Mercedesfahrer scheinbar Lust uns mitzunehmen. Ein zierlicher Opi mit guten Englischkenntnissen. In seinem Kofferraum lagen noch die Golfschläger, denn er befand sich auf dem Heimweg vom Golfen. Unser Glück. Wir hatten eine unterhaltsame Autofahrt bis nach Nagoya. Wo wir uns auch wieder für einen Zwischenstopp entschieden.
Der Herr war so fürsorglich, dass er uns an einem Hotel raus ließ in der Hoffnung, dass wir dieses Hotel buchten (das Hotel lag aber weit über unserem Budget). Er wollte warten falls doch kein Zimmer frei ist damit er uns zum nächsten Hostel fährt. Christoph erklärte ihm, dass genügend Hostel hier in der Gegend sind und wir zurecht kommen. Nagoya ist schließlich auch eine Großstadt. Einverstanden düste er mit seinem Mercedes davon. 

Aus Nagoya rauszukommen war bisher am schwierigsten. Es gibt 1000 Auffahrten in alle möglichen Richtungen und die meisten wollen nicht nach Kyoto. Auf die Empfehlung unseres Hostelbesitzer fuhren wir zu einem Parkplatz an dem Touribusse hielten um die anliegende Burg besichtigen zukönnen. 
Das war leider ein absoluter Reinfall. Wir haben uns schnell dazu entschlossen wo anders hinzulaufen. Eine Stunde hier am Straßenrand und unterwegs hier und dort mal das Schild in die Luft gehalten... aber keiner wollte anhalten. Wir waren maximal gestresst. Wir wollten unbedingt nach 4 Tagen trampen endlich in Kyoto ankommen. 
Gleiches Spiel wie immer, mit dem Zug aus der Stadt und zur nächsten Auffahrt laufen. Yeah das waren ja nur 3 km. Dann kam eine junge Frau (schätze so unser Alter) die uns auch mitnehmen wollte, wir dachten super bis zur nächsten Parking Area. Ups Missverständnis. 2 km weiter entfernt als vorher ließ sie uns raus. Ja DANKE. Ach klar noch ein Selfie. Yeah. Gute Laune und so. Nicht wirklich...
Bei wieder unangenehmen Temperaturen liefen wir also zur nun noch weiter entfernten Auffahrt. 
Da kamen unsere Retter in der Not. 
Ein dicker SUV hielt an. JA!!!
Yuki und Emy, ein Pärchen (beide 42), hatten einen freien Tag und dachten sich es wäre doch schön diese beiden Backpacker aus der Sonne zu holen. Wir konnten uns ausgesprochen gut unterhalten da Yuki sehr gut Englisch sprach. Zwischendurch hielten wir in einem Kombini und bekamen Getränke ausgegeben. Wir vermuten auch diese Fahrt war nur für uns. Denn offenbar hatten die beiden kein Ziel. Während der Autofahrt erklärten die sie uns, dass sie uns unterwegs gesehen haben, aber mit dem kleinem Auto unterwegs waren in dem wir mit unseren Backpacks nicht reingepasst hätten. Also sind die beiden Heim gefahren, haben auf das größere Auto gewechselt um uns dann einzusammeln. Kann man sich das vorstellen? Zwischendurch hielten wir an einem Aussichtspunkt von dem man den größten See Japans sehen konnte. Total schön. Die Autobahn in Japan ist Mautpflichtig und so haben sie auch hier nochmal Kosten von ca. 25 Euro für uns in Kauf genommen.
Wir wurden bis zum Hauptbahnhof gefahren und am liebsten hätten die Zwei noch mehr mit uns unternommen. Aber wir waren einfach nur erschöpft von diesem langen Tag. 

Was wollen wir mehr? Wir sind von Tokyo bis nach Kyoto per Anhalter gefahren. Nicht nur für mich, auch für Christoph war das eine unglaublich tolle Erfahrung die gezeigt hat wie großzügig, hilfsbereit und offen die Menschen hier in Japan sind. Insgesamt sind wir 538 km per Anhalter gefahren.
Trampen ist mit so gegensätzlichen Emotionen verbunden. Wenn keiner anhält und man die ganze Zeit hofft, das zieht richtig an den Nerven. ABER wenn dann jemand anhält und auch noch so unglaublich freundlich ist, ist man einfach so glücklich, dass die ganze Warterei wieder vergessen ist. Ich bewundere die Menschen die nur auf diese Art und Weise durch die Gegend reisen. Die haben Nerven wie Drahtseile.

Danke Japan für dieses Erlebnis welches wir niemals vergessen werden.