Eine Rivertour auf dem Kinabatangan Fluss (der 2. längste Fluss Malaysias) stand an. Wir wurden vor unserem Hotel abgeholt und mit einem Van ging es dann Richtung Dschungel. Auf dem Weg sammelten wir noch mehr Leute ein. Unter anderem eine dänische Familie mit 2 Kindern; die ebenfalls auf Weltreise unterwegs sind. Job gekündigt, Haus verkauft und nun auf Weltreise. Die Kids waren schätzungsweise 3 und 5 Jahre alt. Also wer mir jetzt noch erzählt mit Kinder sei eine Weltreise nicht möglich der nutzt diese Aussage auch nur als Ausrede. Wenn man wirklich will geht das! Hiermit wäre dann auch unsere 2. Weltreise in Planung ;) Des weiteren haben wir ein Pärchen aus Bonn kennen gelernt, welches witziger Weise im gleichen Flieger saß als wir mit unserer Weltreise starteten. Im Flieger hatten wir uns allerdings noch nicht bekannt gemacht. :D

So zurück zur Dschungeltour. Nach 2 Stunden Autofahrt und guten Gesprächen über das Reisen mit und ohne Kindern, sind wir im Resort angekommen. Wir wurden sehr herzlich empfangen. Es gab direkt neben dem Fluss einen Pavillon aus Holz der sozusagen der Gemeinschaftsraum war.

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Pünktlich zur Ankunft und damit auch der Kaffee und Kuchen Zeit tummelten sich auch Makaken Affen herum. Sie warteten nur auf den richtigen Moment um dir dein Teigbällchen vom Teller zu holen. Es wurde des Öfteren betont wie 'cheaky' die Affen sind. Ja neugierig und frech. Mir sind die Viecher nicht geheuer. Ein Affe der sich grade ein Teigbällchen ergattern konnte zeigte auch direkt mal seine Zähne. Nein danke mit denen leg ich mich sicher nicht an!
Über einen Steg über den Dschungelboden ging es zu unseren Hütten. Wir teilten uns ein Zimmer mit 4 anderen Leuten. Nachdem ein nerdiger Engländer die Gebrauchsanweisung der Klimaanlage gegoogelt hatte, konnten wir sogar mit AC schlafen. Was wirklich ein Segen war. Denn es ist definitiv zu jeder Tages- und Nachtzeit zu warm. Man klebt und schwitzt IMMER.
Kurz im Zimmer eingerichtet ging es auch schon los. Die erste Bootstour stand an. Der Fluss sieht übrigens wirklich so aus wie man sich einen Fluss im Dschungel vorstellt; braun, schlammig und teilweise ragen Pflanzen und Bäume vom Ufer über den Fluss.

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Ich glaube es hat keine 10 Minuten gedauert da wurden schon die ersten Orang-Utans gesichtet. Nicht von einem der Gäste, sondern von unserem Guide. Sogar eine Mutter mit ihrem Baby. Hoch oben in einer Baumkrone. Wir hätten die beiden niemals gesehen (So wie 90% aller Tiere die uns gezeigt wurden) da braucht es schon jemanden der ein Auge dafür hat. Ein wirklich schöner Moment. Wilde Orang-Utans gibt es nur in Borneo und Sumatra und sind vom Aussterben bedroht. Grund dafür ist der Mensch. Dschungel (und in Borneo reden wir von dem ältesten Urwald auf Erden) muss für Palmölplantagen weichen. Viele Tiere wie auch Orang-Utans verlieren somit ihr Zuhause. Wer durch Borneo reist wird schnell feststellen wie viel Wald schon gerodet wurde. Es ist unvermeidlich an Palmölplantagen vorbeizukommen. Als wir mit dem Bus von Semporna nach Kota Kinabalu gefahren sind (11 Stunden) sieht man fast nichts anderes. In Borneo wurden bereits 50% der Regenwälder abgeholzt. Daran ist vor allem der Westen schuld. Schon mal überlegt wo überall Palmöl drin ist? Nutella, Waschmittel, Cornflakes... leider in sehr vielen alltäglichen Dingen. Wir können übrigens sehr die Serie 'Unser Planet' auf Netflix empfehlen. Dort wird auch über den Dschungel Borneos berichtet. So genug über Palmöl. Außerdem werden Orang-Utans leider oft als Haustiere gehalten. Problem ist auch, dass Orang-Utans sehr lange brauchen um erwachsen zu werden. Sie müssen viele Dinge lernen um überleben zu können. Das dauert. 
Also für uns wars jedenfalls ein sehr ehrfürchtiges Erlebnis. Wer weiß ob es diese Geschöpfe noch in 30 Jahren in freier Wildbahn gibt. Die Bootstour ging weiter und wir haben fast alle der Big 5 von Borneo sehen können. Orang-Utans, Krokodile, Hornbill Vögel und Nasenaffen. Elefanten leider nicht. Später hat uns aber einer der Guides ein Video gezeigt in dem Elefanten den Fluss kreuzten. Quasi direkt vor der Haustür. Der absolute Hammer. Leider nicht für uns aber so ist das halt. Das ist Natur und genau so wollten wir das auch. Nichts was angefüttert, eingesperrt oder gejagt wurde.
Bei Sonnenuntergang ging es dann zurück zum Resort.

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Es gab Abendessen (sehr veganer freundlich :) ) und dann stand eine Dschungeltour bei Nacht auf dem Programm. Zugegeben es handelte sich um ein paar Trampelpfade nicht weit vom Resort entfernt. Wir mussten uns den Weg also nicht mit einer Machete frei kämpfen. Bereits nach 30 m im Dschungel entdeckten wir eine Eule mit frischer Beute im Schnabel. Geduldig schaute sie uns aus der Entfernung von nur 3 m mit der toten Maus an. Sonst haben wir ein paar Vögel gesehen und ein paar überdimensionale Grashüpfer. Doch allein der Dschungelsound bei Nacht hat was unglaublich faszinierendes. Es ist sogar recht laut. Es haben sich wirklich alle bemüht (in Gummistiefeln) durch den Jungel zu schleichen. Dennoch nichts gesehen. Ach stimmt nicht! Zwei schlafende Makaken (sorry aber die Affen sieht man einfach überall und ich find sie eher nervig). Naja, schlafen konnten wir eigentlich genauso gut. 
Am nächsten Morgen startete der Tag mit einer Bootstour bereits um 6 Uhr. Was wirklich schön war, da noch morgendlicher Nebel über den Fluss zieht. Ein paar Krokodile waren am Start und sonst auch wieder die 4 der big 5.

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Unser Guide wusste alles über die Tiere. Es gab keine Frage die er nicht beantworten konnte und er hat uns wirklich viel erklärt. So haben wir z.B. erfahren, dass sich bei den Nasenaffen alle Junggesellen zusammen schließen wenn sie nicht in der Position des Harems sein können und viele Frauen um sich haben. So haben wir eine Bachelor Truppe gesehen die irgendwie auch so rüber kam. Es wurde die ganze Zeit getobt, von Ast zu Ast gesprungen und geschrien. So wie sich Junggesellen halt auch bei uns verhalten... ;)
Wir wussten auch nicht, dass Nasenaffen schwimmen können und in der Not ins Wasser springen würden um einer Raubkatze zu entfliehen. Makaken sind übrigens ein üblicher Krokodils-Snack weil die Viecher auf Grund ihrer Neugier in die Falle tappen.
Oder Echsen z.B. können super gut auf Bäume klettern kommen aber schlecht wieder runter und lassen sich dann völlig plump einfach ins Wasser fallen. Also es gab richtig viele Infos. Das ganze war wirklich Interessant.
Den Tag über gab es viel Essen und wir konnten in Hängematten entspannen. Btw die Makaken kamen nur zum Kaffee und Kuchen danach haben wir nur ein paar vereinzelt mal gesehen. Zum Glück. Da hätte ich nämlich 0 Bock drauf. Kurzer Insider. Auf Englisch sind es die Longtail Makaks, wir haben das mit holländischen Akzent gesprochen und fanden das äußerst komisch. :D 
Bei einer Tagestour durch den Dschungel, haben wir leider auch nur ein paar Vögel und Echsen sehen können. Dafür gab es viele Informationen über Traditionen der Malays im Dschungel und den Gebrauch von Pflanzen als Medizin. Inklusive 500 Mückenstiche; aber nur für mich. Warum auch immer.
Übrigens können Menschen alles essen was auch Orang-Utans essen können. 
Unser Guide erzählte uns, dass es wohl in seiner Dorfkultur üblich sei, einmal im Leben im Dschungel zu nächtigen. Er hat das ganze auch machen müssen und dabei sein Equipment verloren und sich verirrt; so hat er wie auch Orang-Utans in einer Baumkrone geschlafen. Die Story fand ich total faszinierend. Außerdem wurden wir zu ihm nach Hause eingeladen. Er wollte uns zeigen wie er mit seiner Familie im Dorf lebt. Zusammen mit einem weiterem Pärchen sind wir zu seinem Dorf spaziert. Ein muslimisches Dorf auch direkt am Fluss. Mit ca 200 Einwohnern. Das Dorf bestand größtenteils aus Stelzenhütten. Es sah eigentlich echt niedlich aus. Angekommen bei ihm zu Hause begrüßten uns seine Mutter und seine Schwester mit 3 Kindern. Seine Frau und sein Baby gehörten noch zur Familie, die alle unter einem Dach wohnten. Viele Menschen auf wenig Fläche. Es gab auch keine Möbel es ist völlig normal auf den Boden zu sitzen. Stolz war er über einen kleinen Fernseher auf dem man alle Programme empfangen kann. Ok so weit vom Schuss ist man dann auch nicht wenn man im Dschungel lebt. Uns wurde Limonade und ein paar selbstgebackene Leckereien serviert. Er erzählte uns, dass es noch weitere Dörfer im Umkreis gibt und jedes Dorf eine andere Sprache spricht. Die Sprache aus seinem Dorf sei einfach und die anderen Dörfer konnten sie verstehen da es sehr ähnlich zum malayischen sei. Dabei könne man die Sprache aus dem benachbartem Dorf überhaupt nicht verstehen.
Das Dorf schätzt sich glücklich weil man mit dem Resort Geld verdienen kann. Einige Dörfer haben keinen Anschluss zum Tourismus. Er plauderte weiter über die Vergangenheit.
Früher konnte man im Fluss schwimmen weil bis dort keine Krokodile kamen, durch das Resort hat sich das geändert. Die Tiere fühlen sich sehr sicher und kommen näher. 
Ja auch wir haben ein Krokodil direkt am Resort vorbeiziehen sehen. 20 Minuten nachdem Christoph vom Ufer aus die Drohne steigen lassen hat. Überhaupt nicht gefährlich, wo wir auch erfahren haben wie hoch die Tiere springen können... :D

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Die nächste Zeit verlief ähnlich. Alles in allem hatten wir eine richtig gute Zeit. Die Menschen aus dem Resort machen ihre Arbeit mit richtig viel Herzblut. Wir haben viel gesehen und mal wieder feststellen müssen, dass jeglicher Zoo nichts mit der Freiheit zu tun hat. 
Im Dschungel haben wir uns dann doch dazu entschieden nach Semporna zu reisen (das Auswärtige Amt rät davon ab, wegen Terroristen die Touris entführen und töten)... weil dort eines der schönsten Tauchgebiete der Erde liegt. 
Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag. :)