Eigentlich stand für uns schnell fest, dass wir unbedingt nach Singapur reisen wollen. Einfach deshalb, weil es ganz anders ist als der Rest Südostasiens. Denn was alle Südostasiatischen Länder gemeinsam haben ist eine gewisse Weise Chaos, sowohl auf den Straßen als auch in allen anderen organisatorischen Dingen. Sei es unbeachtete Verkehrsregeln oder Termine pünktlich einhalten. Es läuft eher so lala. Besonders aus der Sicht eines Deutschen. Und Singapur ist so der Teil in dem alles geregelt läuft. Pünktliche Busse, keine überfüllten Straßen und kein Müll in der Botanik. Ich glaube jeder kennt dieses Gerücht, dass es strafbar sei Kaugummi zu kauen. Das stimmt nicht ganz. Es ist nur sehr teuer wenn der Kaugummi auf die Straße gespuckt wird. Aber allein deshalb dachte ich schon, die Straßen sind wie geleckt. Kaugummis darf man übrigens nur mit einem Rezept in der Apotheke kaufen. Oder man nimmt den illegalen Weg und schleust Kaugummis aus Malaysia mit über die Grenze. Im Supermarkt werden jedenfalls keine verkauft.
Naja wie dem auch sei. Singapur ist auch im Vergleich zu seinen Nachbarn sehr viel teurer. Weshalb wir uns überlegten Couchsurfing auszuprobieren.
Für alle die nicht wissen was Couchsurfing ist, es ist eine Plattform auf der offene Menschen ihre Couch bzw. einen kostenlosen Schlafplatz zur Verfügung stellen. Ganz tolle Erfindung wie wir beide finden. So haben nämlich auch low budget Reisende die Gelegenheit ein eher hochpreisiges Land zu bereisen. Oder aber, um in den Genuss zukommen, Locals kennenzulernen. Ein riesen Vorteil was wir selbst auch feststellen konnten. Es gibt auf der ganzen Welt Leute, die ihr Sofa anbieten. Eine tolle Sache.
Für unser erstes Mal Couchsurfing haben wir uns ein deutsches Pärchen raus gepickt. Die Beiden leben schon seit 2 Jahren in Singapur und haben schon so einige Couchsurfing Storys erlebt.
Als wir in Singapur gelandet sind, ist uns schon aufgefallen wie sauber und stilvoll der Flughafen aussieht, aber das haben andere Flughäfen auch. Trotzdem schön.
Nicht zu vergessen: Juwel, den hat nun keiner. Ein riesen Wasserfall umgeben von wundervoll bepflanzter Beete. Nachdem wir diesen Wasserfall bestaunt hatten, ging es auch schon zu unseren Couchsurfing Hosts, die allerdings eine Stunde entfernt wohnten. Was aber kein Problem war, da das U-Bahn Netz hervorragend ausgebaut ist.
Angekommen in einem Wohnkomplex, wie wir ihn auch sehr ähnlich aus Kuala Lumpur kannten, wurden wir sehr herzlich empfangen. Wir hatten quasi ein eigenes Zimmer, nur statt einer Tür einen Vorhang. Absolut okay. Es kam auch ein bisschen Hotel Feeling auf, da wir sogar Handtücher bekommen hatten. Jedenfalls haben wir allerhand Tipps bekommen.
Abends ging es dann in einen Food-Hawk (eine kleine Halle mit kleinen Essensbuden aneinander gereiht). Hier findet jeder was zu Essen, selbst Veganer. Und absolut faire Preise. Haben wir so überhaupt nicht erwartet.
Was ich noch nicht erwähnt habe: Das Klima hat uns etwas zu schaffen gemacht. Es war so warm und so unfassbar feucht. Sightseeing war wirklich anstrengend.
Wir besuchten das ArtScience Museum in Marina Bay. Der Hafen mit der Skyline Singapurs. Die Architektur war wirklich der Wahnsinn und gibt es so kein zweites Mal. Im Museum selbst gab es eine Ausstellung zum Thema Klimawandel, wie die Arktis sich verändert und was wir Menschen unternehmen müssen um den Wandel aufzuhalten. Sehr interessant, aber es liegt einem doch schwer im Magen. Btw hat Singapur auch einen enormen Plastikverbrauch; nicht anders als in den anderen asiatischen Ländern, nur dass man keinen Müll auf der Straße sieht.
Zufällig waren wir dann zur Mittagszeit in einem der bekanntesten Food-Hawks: im Lau Pa Sat Food Court. Ein Gebäude welches aus der Kolonialzeit stammt und von außen so aussieht als beherberge es eher teure Restaurants. Tatsächlich findet sich hier super gutes Essen. Indisch und Chinesisch bietet die größte Auswahl aber auch Thai oder westliches Essen kann man hier verzehren. Wir waren genau um die Mittagszeit dort und haben die rush hour der Mittagspause mitbekommen. Lauter Geschäfts-und Büroleute die hier ihre Pause verbringen. Für uns ein gutes Zeichen, denn da wo die Locals essen, schmeckt es am besten.
Wir haben auch die gesamte Zeit in Singapur richtig gut gegessen. Zwar nicht immer so gesund aber sehr lecker. Besonders die indische Küche ist einfach der Knaller. Als wir in little India in einem Food-Hawk essen waren, war´s wie im Himmel. So eine riesen Auswahl von so schmackhaften Gerichten (für kleines Geld).
Was wir absolut positiv empfinden ist das Multikulti-Leben. Hier leben die unterschiedlichsten Kuturen und Religionen unter einem Dach. Singapur ist nämlich recht klein für seine 5 Millionen Einwohner. Viele Chinesen, Inder und Malayen leben hier. Aber auch ein paar Wessis. Alle sprechen Englisch bzw Singlisch, wie wir dann erfahren haben. Singlisch hört sich wie sehr schlechtes Englisch mit asiatischem Akzent an. In Indonesien haben wir mal einen Singapurer kennengelernt der Singlisch sprach. Als er uns erzählte er sei in Singapur geboren, wollten wir das nicht so recht glauben. Als er dann auch nocht meinte, wer in Singapur kein Englisch spricht, der komme auch nicht aus Singapur, dachten wir da ist irgendwie was faul.
Gut, angekommen in Singapur mit der Sprache Singlisch haben wir es rückblickend, dann doch geglaubt, dass der Herr tatsächlich aus Singapur stammt.
Was in Singapur auffällt, sind all die Grünflächen und Beete überall. Unglaublich gepflegt. Laut der Singapurer sollen die Grünflächen zur Erholung von Luft und Mensch dienen. So trieb es uns in den Botanischen-Garten. Definitiv ein Besuch wert. So haben wir eine Schlange und einige Warane gesehen. Ein voller Erfolg für uns. Außerdem gab es noch den Orchideen-Park. So, so schön.
Da wir uns besonders gut mit unseren Couchsurf-Gastgebern verstanden haben, verbrachten wir auch einen Abend in deren Lieblingsbar.
Im Level 33 kann man die komplette Skyline Singapurs sehen. Atemberaubend! Die Getränkepreise lassen einen zwar auch nach Luft schnappen, aber für die Aussicht kann man sich auch mal ein Bierchen gönnen.

singa

Was natürlich nicht fehlen darf, ist die Lightshow im Marina Bay. Es gibt eine kleine Tribüne von wo man die Show genießen kann. Ein Wasser und Lichtspiel untermalt mit sehr dramatischer Musik. Wirklich richtig gut gemacht. Und for free!
Danach ging es durch das bonzige Einkaufzentrum in dem klar wurde hier gibts doch ein recht viele Reiche Menschen :D. Davon abgesehen das Leben ist richtig teuer. Mietpreise sind hier kaum bezahlbar, freistehende Häuser haben wir nicht gesehen und wenn es sie gibt muss man Multimillionär sein um in einem zu leben. Autos sind nur begrenzt auf den Straßen zugelassen. So kostet es einfach mal 60.000 Sing Dollar (ca. 40.000 €) nur um ein Auto anzumelden. Man hat dann eine Lizenz mit der Gültigkeit von 10 Jahren . Die Straßen sind tatsächlich nicht überfüllt, dennoch empfinden wir das System nicht besonders fair, da es nur Menschen mit viel Kohle gestattet, Auto zufahren. Einige Dinge sind in Singapur eher Schein als alles andere. Zum Beispiel findet man überall Überwachungskameras und auf die Straße gehen und demonstrieren ist auch nicht so einfach. So gibt es auch einen Christopher Streetday, wo allerdings nur Einheimische hingehen dürfen. Abgesehen davon, dass gleichgeschlechtlicher Sex verboten und somit strafbar ist. Zum Thema Strafen : Es gibt hier eine Strafe bei der Stockhiebe verteilt werden, aber auch die Todesstrafe.
Also das Singapur, so ist wie es ist bzw. geworden ist, hängt wohl auch mit den Gesetzen zusammen.
Jetzt hab ich so viel negatives geschrieben, dabei war für uns Singapur richtig schön. Es ist wie Kuala Lumpur nur geordnet und moderner. Ganz vergessen zu erwähnen, am Hafen kann man super schön feiern gehen. Wirklich gut. Es ist zwar teils touristisch aber trotzdem sehr cool. Wir waren sogar in einem eher alternativen Club. Für uns wars auf jeden Fall ein gelungener Abend. Vorallem, wenn man sieht wie sehr die Chinesen auf amerikanischen Schnulzen abgehen. Gefühlt hat der gesamte Club gesungen.
An unserem letzten Abend haben wir gemeinsam veganes Sushi gemacht, was ein voller Erfolg war. Hier nochmal vielen lieben Dank an Jens und Debo. Ihr wart einfach super!

sushi

Was wir aus Singapur mitgenommen haben:

- Couchsurfing ist eine super geile Erfindung
- Multikulti funktioniert; und schmeckt super
- Großstädte in Deutschland müssen grüner werden
- sich mit der Politik eines Landes auseinander zu setzen ist äußerst interessant (haben wir viel zu wenig gemacht)
- eine gewisse Zeit im Ausland zu leben, scheint richtig cool zu sein
- Zuhause werden wir Sushi selbst rollen ;)

So geht es mit jeder Menge positiven Erinnerung weiter... die Philippinen warten ;)