Bevor es zu unseren Affen ging, mussten wir eine 33-stündige Reise zurücklegen. Für mich leider mit einer Mittelohrentzündung (wie sich in Johannesburg herausstellte). Also alles andere als angenehm. Wir sind von Cebu nach Hongkong, dann nach Äthiopien, um schließlich in den letzten Flieger nach Johannesburg zu steigen. Glaubt mir, die Fliegerei ist, abgesehen von meiner Ohrentzündung, auch aus Umweltschutzgründen eine Qual. Jedes Mal hab ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Zum Thema Umweltschutz und Reisen wollte ich aber in einem extra Blogeintrag noch was loswerden. Jedenfalls sind wir todemüde in Joburg angekommen. Wir hatten ein kleines Apartment im Hipster-Viertel Maboneng. Johannesburg gehörte vor 10 Jahren noch zu einer der gefährlichsten Städte der Welt. Wenn man durch Maboneng schlendert, fühlt es sich aber nicht so an. Sehr viel Streetart, nette Boutiquen und jede Menge hippe Cafés prägen das Stadtbild. Hier tut sich was, eine positive Veränderung findet statt. Allerdings würde ich bei Nacht jetzt nicht unbedingt auf die Straße gehen. Mit Armut wird man schon auf dem Weg in die Stadt konfrontiert. Sogenannte Townships sieht man überall und leider viele Obdachlose und Bettler.

Wie ich schon erwähnte, hatte ich eine Mittelohrentzündung, die ich mir wohl auf den Philippinen eingefangen habe. Vermutlich ausm Pool. Als wir gleich am ersten Tag ein Krankenhaus aufsuchten, war ich froh, bei der zweiten Anlaufstelle, ein privates Krankenhaus gefunden zu haben. Das 'öffentliche' Krankenhaus war leider so übertrieben überfüllt, dass ich mich ernsthaft fragte, wie viele Tage ich anstehen muss, um einen Arzt zu sehen. Angekommen in dem privaten Haus (welches sich auch nur 'priveligierte' Menschen leisten können) kam es einem deutschen Krankenhaus gleich. Vollgestopft mit Medikamenten hatte ich noch 2 Tage zum Ausruhen, bis es zu unserer freiwilligen Arbeitsstelle ging.

Die Anreise von Johannesburg nach Pretoria (übrigens die offizielle Hauptstadt von Südafrika) erfolgte über Uber (1 Stunde), von dort aus wurden wir mit einem Shuttle-Bus nach Tzaneen gebracht (4 Stunden). Hier wurden wir mit einem Jeep abgeholt (welcher witziger Weise Bananen im Hänger liegen hatte) und zu unserem Volunteering gebracht (halbe Stunde). Abends gegen 19 Uhr sind wir dann endlich irgendwo im Nirgendwo angekommen. Übrigens hat Afrika viele Wälder und Berglandschaften zu bieten. Es ist also nicht überall Steppenartig. Besonders im Norden gibt es viel Grün.
Wir wurden sehr herzlich von den beiden Managern empfangen. Ein Ehepaar aus London, beide in Rente (noch recht jung und fit) leben jetzt ihr Abenteuer in Südafrika. Der Gründer und Besitzer selbst ist schon etwas älter und gibt somit mehr Aufgaben und Kommandos an das Ehepaar ab.
Wir waren also endlich in Südafrika, also so wie man sich es vorstellt. Johannesburg ist halt ne Großstadt, da begegnet man keinen Affen oder übergroßen. 
Wir wurden direkt am Anfang darauf hingewiesen nicht alleine zu unseren Schlaf-Dorm zu gehen. Wegen Schlangen, Nilpferden und Skorpionen. Der Weg von der Hauptanlage zu den Dorms war ungefähr 1 km weit. Nur damit man sich es vorstellen kann.
So (!) hab ich mir das vorgestellt. Gleich beim Abendessen hatten wir Probleme zu essen, da an diesem Abend besonders viele Käfer unterwegs waren. So war man mehr damit beschäftigt Käfer von seinem Teller zu popeln als zu essen. Alle haben es mit Humor genommen. Wir auch. :D
Nach einer Vorstellungsrunde wurde uns gleich klar: Hier sind Menschen aus der ganzen Welt. Super cool. Die meisten waren um die 18-21 Jahre alt. Es gab tatsächlich auch ein paar Leute die so Mitte 40 und älter waren. Find ich auch mega cool. Alle waren aus ein und demselben Grund da, nämlich aus Liebe oder Interesse zu den Affen. In unserem Fall handelt es sich übrigens Hauptsächlich um die Rasse der Bärenpavianen (Baboons) und der südlichen Grünmeerkatze (Vervets). Außerdem gab es noch Samango Affen, Bushbabies, Esel, Gänse, Sträuße und auch 2 Baby Schakale haben wir mit aufgezogen. Meist handelt es sich um verwaiste Tiere (z.B. werden Baboons von Bauern erschossen, die sich in Nähe der Felder aufhalten. Oft bringen die Bauern es dann doch nicht übers Herz die Babys zu erschießen) die dann in unserer Auffangstation landen. Vervets hingegen werden entweder als Babys gefunden oder kommen als Haustier zu uns. Ja tatsächlich gibt es unglaublich dumme Menschen die Affen als Haustiere halten. Es erfolgt hier also ein Prozess der die Tiere alt, fit und stark genug macht um sie wieder in die Freiheit zulassen.

Jedenfalls sind wir völlig fertig in unser Bett gefallen. Btw. gleich am 2. Tag hatten wir eine Begegnung mit einem Skorpion. Und einer unserer Kollegen hatte einem im Schuh. Man musste echt aufpassen. Überall wimmelte es nur so von Käfern und anderen Insekten. Ich hatte auch kein Moskitonetz! Hab mich irgendwie dran gewöhnt, ab und zu auch mal einen Käfer unterm Kopfkissen zuhaben. Zum Glück gab es so gut wie keine Mücken und auch übertrieben große Spinnen trafen wir nur selten. Aber ja man musste ganz genau das Klo oder die Dusche checken. Auch eine Schlange hatte sich mal in einer der Toilettenkabinen verirrt. Später gab es auch den Fall: Schlange im Zimmer. Nicht unser Zimmer, keine Sorge. :D
Unsere erste Begegnung mit den Affen war total surreal. Uns wurde gesagt, dass die Affen zu uns kommen. Wir werden quasi auserwählt man kann sie nicht dazu 'zwingen' uns zu mögen. Um es kurz zu erklären. Es gibt sozusagen die Babystube (ein Gehege für die ganz Kleinen, so ab 2-3 Wochen) und die Kinderstube (Affen ab 4 Monaten - 1,5 Jahren). Allerdings müssen die Babys mit der Flasche gefüttert werden und auch nachts kommen sie mit aufs Zimmer. So war unsere erste Begegnung beim Flasche geben früh morgens. Wir durften gleich mit füttern. Und es gibt nichts süßeres als einem Baboon-Baby die Flasche zugeben. So hatte ich gleich unsere geliebte Lexi auf dem Arm. Wie kann man nur sooo unfassbar süß sein?!

Lexi baby
Wir haben echt viel und hart gearbeitet. Wobei ich auch mehrere Tage einfach nicht arbeiten konnte da ich mit Magen-Darm Erkrankungen zu kämpfen hatte. Vlt. wars das Wasser oder einfach die ganzen Bakterien der Affen. Ich war auch nicht die einzige, sehr häufig hatten die Volunteers Probleme damit.
Zu unserem täglichen Programm (start 6 Uhr) zählte Babys füttern, Affenstall schrubben, Essen waschen und vorbereiten, Gräser, Blätter und Käfer (für die Bushbabys) sammeln. Teilweise hatten wir um die 40°C und anderen Tagen 20°C mit strömenden Regen. Was natürlich keinen Unterschied macht. Die Tiere haben trotzdem Hunger. Unser Tag endete meist so gegen 16-17 Uhr. Wir haben JEDEN Tag so viel gearbeitet (natürlich gab es eine Frühstücks- und Mittagspause). Einmal die Woche hatte man ab 13 Uhr frei. Wir empfanden die Arbeit als zu viel. Auch wenn wir wirklich viel Zeit mit den Affen hatten, am Ende des Tages sind wir um 20 Uhr todmüde ins Bett gefallen. Die jüngeren Leute haben abends noch getrunken und saßen lang am Lagerfeuer. Für uns einfach nicht machbar, weil wir so unfassbar müde waren.
Teilweise hatte man nachts dann noch ein Baby im Zimmer (was ich mir erst total gewünscht hab). Es ist natürlich ultra süß son kleinen Racker in Windel vorm Schlafengehen gemütlich im Bett noch die Flasche zugeben. Eigentlich sollen die Kleinen in ihrer Box schlafen und nur im Notfall rausgeholt werden um sie zu beruhigen, Flasche zugeben und so lange im Arm halten bis sie eingeschlafen sind, um sie dann schlafend zurück in die Box zulegen. Ganz einfach. Wenn man aber ein Affenbaby namens Lexi in Kombination mit Christoph hat ist es quasi unmöglich. Kurze Erklärung: Lexi hat Christoph geliebt, sie hing nur an ihm und ließ sich nur von ihm füttern, baden und tragen. Wenn Christoph in der Nähe war wollte sie gleich zu ihm. Wenn er weg wollte hat sie ein riesen Theater gemacht und sich an sein Bein gehangen usw. Also eigentlich zuckersüß, ich bin dahin geschmolzen.
So wenn man jetzt Lexi und Luca aufm Zimmer hatte (Luca ist ein anderes Baby in ihrem Alter, in der gleichen Box) gabs ein riesen Theater, weil Lexi zu Christoph wollte. Ginge es nach Lexi, hätte sie auf seinem Bauch geschlafen. Was wir probiert haben, in der Hoffnung, wenn sie dann schläft, sie auch schlafend in die Box zulegen... natürlich ist Lexi jedes Mal wieder aufgewacht. Dann dachten wir okay packen wir beide in die Box und ignorieren das Palaver. Jedes Mal wenn Lexi geschrien hat, war Luca mega angefressen und hat sie gebissen. Er wollte schließlich einfach nur schlafen. Irgendwie hat mans dann doch geschafft und 3-4 Stunden Schlaf müssen dann auch mal reichen. Wenn man dann völlig fertig aufwacht und feststellt, dass das ganze Zimmer einfach nach Affenkacke stinkt, reicht dann auch eine Nacht mit den Affenbabys. :D Was ich nicht erwähnt hatte, wir haben ein Zimmer für uns gehabt. Die meisten waren zu dritt auf einem Zimmer.
Nun zu dem spaßigsten Teil. Mittags um 12 gibt es den Baboonwalk. Das ist ein Spaziergang für die Affen aus der Kinderstube und auch der aus der Babystube. Es werden einfach die Türen aufgemacht und alle 17 Affen laufen aus dem Gehege und gehen gemeinsam mit uns Volunteers spazieren. Die laufen auch nicht weg, wir gehören mit zur Truppe und werden als eine Art Alpha angesehen, also laufen uns alle Affen hinterher. Wir laufen in ein kleines Waldstück wo sie dann klettern, toben, rennen, spielen, buddeln und auch Gräser fressen können. Außerdem gibt es dort einen kleinen Pool der einst mal mit Wasser gefüllt war, jetzt noch ein paar Pfützen zu bieten hatte. Trotzdem super für eine kleine Erfrischung. Ein paar Meter weiter gab es auch einen kleinen See (wo wir auch Nilpferdspuren sehen konnten), da wurde an besonders heißen Tagen auch geschwommen. Also die Affen. :D Ich schwimm bestimmt nicht in einem Nilpferdsee. Für die Affen war es aber sicher.

tyga digging
Während des Baboonwalk kommen auch einige Affen zu einem um mit dir zu kuscheln, dich zu lausen oder mit dir zu spielen. Es macht einfach so viel Spaß die Affen zu beobachten und so richtig ein teil der Familie zu sein. Bestes Beispiel war z.B. Rosie. Rosie gehörte schon zu den etwas älteren (1 Jahr) und sobald sie gesehen hat, dass Lexi sich zu weit von Christoph wegbewegt, schnappte sie sich Lexi und brachte sie zu Christoph zurück. Sie nahm Christoph als eine art Alpha an und wollte das Baby in Sicherheit bringen. Das haben sehr viele Weibchen gemacht. Die Babys waren teilweise auch etwas genervt. :D
Zu den älteren Affen gehörte auch Tyga. Er war so clever, aber auch frech. Man konnte noch nicht genau sagen, wer das Alpha-Tier sein wird, da es in dieser Altersklasse noch keine Alphas gibt, aber Tyga war eigentlich derjenige der das Kommando angab.
Und Tyga war auch der erste Affe, der Freundschaft mit Christoph geschlossen hatte. Lexi brauchte erst eine ganze Weile um sich in Christoph zu verlieben. Tyga klaute alles was nicht Niet- und Nagelfest war. Buddelte die größten Löcher und musste einfach immer mit seiner Nase dabei sein. Und er hat einen immer richtig umarmt. Außerdem war er sehr eifersüchtig, wenn es darum geht sich seinen Menschen zu teilen. Was ich noch nicht erwähnt habe; man sollte keine Berührungsängste mit Kot und Urin haben, denn man wird mehrmals täglich angekackt und angepinkelt. Das vergisst man ganz schnell, wenn ein paar Affen mit dir kuscheln wollen oder dich lausen.

Tyga hug
Das klingt jetzt alles sehr vermenschlicht.
Ich möchte hier nochmal klarstellen, dass alle Affen in ein paar Jahren wieder in die Freiheit kommen. Es bedarf so viel Zeit, weil zum einem sind Affen sehr soziale Tiere sind, die sich erst in eine Truppe integrieren müssen und zum anderen ist das Freilassen mit Geld verbunden. Und natürlich mit dem richtigen Platz.
Es muss genügend Futter und Wasser vorhanden sein und weit entfernt von Menschen.
In unserem Rehabilitationscenter hat man zu den Babys noch sehr engen Kontakt, weil die Affen einfach eine Art 'Mama' Ersatz brauchen, nach und nach wird der Kontakt zum Menschen immer weniger. Die Gehege werden immer größer und 'echter' eben wie in der Wildnis. Wenn dann alles passt, geht es zurück in die Freiheit.
Wir können alles, was mit den Tieren zu tun hat zu 100 % unterstützen. Leider gab es ein paar Punkte, die wir kritisieren müssen. Jeden Tag, also wirklich 7 Tage die Woche, sind einfach zu viel Arbeit. Manche Leute sind 3 Monate dort ohne auch nur einen einzigen Tag frei zubekommen. Man muss bedenken, dass man fürs Volunteering bezahlt. Man bezahlt natürlich um das ganze Rehabilitationscenter aufrecht zu erhalten und eben auch diese Erfahrung machen zu können. Dennoch sollte man nicht das Gefühl haben, dass die ganze Arbeit die dort geleistet wird von Volunteers getragen wird.
Es gab auch bezahlte Arbeiter. Hier kommen wir zum 2. Kritikpunkt. Leider machte es für uns den Anschein, als würde einiges politisch nicht korrekt laufen. Er gehört scheinbar zur 'alten' Generation Südafrikas. Er selbst ist weiß, während er nur Dunkelhäutige einstellt. Leider werden die Arbeiter nicht mit einbezogen. So sitzen sie nicht nach getaner Arbeit mit beim Abendessen, benutzen nichtmal die gleiche Toilette. Außerdem gab es eine Regel die besagte man solle sich nicht mit den Arbeitern anfreunden. Ähm hallo?! Wir schreiben das Jahr 2020. Wir hatten in unserem Leben noch nie einen Berührungspunkt mit 'Rassismus'. Der Mann hat alles allein auf die Beine gestellt und echt ein großes Herz für die Tiere und so nett der Besitzer zu uns auch war, das geht einfach nicht. Was leider der Grund ist, der für uns das Volunteering etwas schwierig gestaltete. Es ist einfach ein sehr seltsames Gefühl einem der Arbeiter gegenüber zustehen, wenn er weiß ich komm von weit her bezahle eine Menge Geld, um Affen zu retten, während das Leben der Menschen dort auch nicht besonders rosig ist. Schwierig zu erklären, aber ich denke ihr wisst was ich meine.
Es gibt Leute, die es nicht zu interessieren scheint oder einfach die Arbeit mit den Affen so sehr dort lieben, dass sie dieses Gefühl den Menschen gegenüber ausblenden können. Naja. Wir haben diese Kritikpunkte offen angesprochen, ich schätze es wird sich nichts ändern. Alte Menschen ändern sich nur selten. Da kann man nur hoffen, dass die neue Generation es in der Zukunft besser machen wird. Leider werden wir noch oft mit dem schwarz/weiß Problem und der Armut in Südafrika konfrontiert. Dazu aber im nächsten Blogbeitrag mehr.
Trotzdem sind wir unglaublich dankbar für diese Erfahrung. Wir haben Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt (es gab keine Probleme in der Gruppe, jeder kam mit jedem zurecht und wir hatten echt viel Spaß), konnten dazu beitragen Affen eine 2. Chance zugeben und haben einfach viel über die Primaten und Natur Südafrikas gelernt.
Ich könnte hier noch so viel über unser Volunteering schreiben aber dann müsste ich ein Buch schreiben. Es wird auf jeden Fall nicht das letzte Volunteering sein. Die Arbeit mit den Affen hat schon echt Laune gemacht. Ganz vergessen, Lexi ist natürlich ganz offiziell unser Patenäffchen geworden, so ist ihre Freilassung gesichert.

lexi wiese
Wir vermissen die Affen wirklich sehr, man hat einfach so viel zurückbekommen. Das war ein so tolles Gefühl...
Vielleicht nächstes Jahr ein Volunteering in Namibia ? ;)