Die 4 Wochen Volunteering waren rum und somit konnte unser Roadtrip beginnen. Erstmal ging es wieder mit dem Shuttlebus zurück nach Pretoria, wo unser Mietwagen schon auf uns wartete. Eigentlich haben wir einen Polo gebucht, aber es gab einen netten kleinen Suzuki Swift. Von der Mitarbeiterin wurden wir auch direkt nochmal darauf hingewiesen, dass wir keine Sachen sichtbar im Auto liegen lassen sollen. Ständig hatte man Sorge, dass etwas mit dem Auto passiert. Aber wir müssen zugeben, bisher (klopf auf Holz) haben wir noch keine schlechten Erfahrungen bzgl. Diebstahl erleben müssen (vlt. sind die Leute auch zu vorsichtig). Jedenfalls wollten wir nicht mehr allzuviel fahren und übernachteten in einem Ort außerhalb Pretorias. Das Guesthouse war ganz schön und wir waren froh endlich mal wieder ausgiebig duschen zu können und in einem richtigen Bett zu schlafen. Ja, das war etwas auf, dass wir uns richtig gefreut hatten. Die kleinen Dinge sind doch manchmal die schönsten.
Weiter ging es am nächsten Morgen Richtung Panorama Route. Das ist eine Strecke mit etlichen Wasserfällen, schönen Aussichten und Bergen. Ich dachte eigentlich das man 2-3 Tage brauchen würde, aber wir haben das locker an einem Tag gemacht. Natürlich haben wir nicht an jedem Wasserfall angehalten, denn wir haben schon sehr sehr viele gesehen und hier kostet leider alles Geld. Also haben wir uns die schönsten Sachen rausgepickt. Am bekannten God´s Window konnten wir leider nur halb so weit sehen, waren doch sehr viele Wolken am Himmel und verdeckten die Sicht. Der schönste Punkt für uns war aber der Three Rondavels Viewpoint. Der Name kommt von 3 Bergen, die aussehen wie die typischen afrikanischen Hütten. Aber nicht nur diese Berge, sondern die ganze Sicht über die Schlucht war der Wahnsinn. 
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Ein großes Highlight sollte dann unser Besuch im Kruger Nationalpark sein. Schließlich handelt es sich um den Größten und Bekanntesten in Südafrika. Er beheimatet etliche Tiere, darunter die Big Five. Da die Unterkünfte hier doch deutlich teurer sind als erwartet, haben wir beschlossen auch mal wieder Couchsurfing zu probieren. Tatsächlich gab es eine einzige Person, die ihre Couch zur Verfügung stellte (in Nähe des Kruger). Ganz spontan schrieb Melina ihn an und er war zeitlich sehr flexibel und gab uns eine Zusage. Gewohnt hat der ältere Herr (65) in einem privaten Game Reserve. Wir dachten das wäre der Jackpot, denn er hat ein großes Haus, drumherum nur Natur und hin und wieder kommen auch Giraffen, Zebras und Affen vorbei. Morgens haben wir uns mit ihm getroffen und uns ein paar Tips zum Kruger eingeholt, da wir keine Safari gebucht hatten, sondern das ganze mit unserem eigenen Auto machten.
Zu der Couchsurfing Geschichte erzähl ich gleich noch etwas, denn das war wirklich krass. Erstmal ging es für uns dann in den Park. Der Kruger ist riesig, fast so groß wie Hessen (ca. 20.000 km²) also konnten wir an einem Tag nur einen Teil sehen. Im Süden soll die größte Population an Tieren sein, also haben wir beschlossen, den Bereich abzufahren. Es ist schon ein Glücksgefühl, wenn man ein wildes Tier spotten kann. Neben den gefühlt eine Million Impalas, haben wir sehr schnell eine Giraffe direkt neben dem Weg gefunden, die fröhlich vor sich hin fraß. Wahnsinn. Wir fuhren circa 7 Stunden durch den Park und sahen allerhand. Unter anderem Warzenschweine, Hippos, Giraffen, Affen, Büffel und Kudus. Leider haben wir also von Big Five nur einen gesehen gehabt (den Büffel) aber immerhin hatten wir kurz vor Ende noch ziemliches Glück und sahen eine große Elefantenherde direkt vor uns über die Straße laufen. Wir sind doch immer wieder begeistert von Tieren in freier Wildbahn! Kein Vergleich zu einem Zoo, nur das hier ist Artgerecht! Also immerhin haben wir es noch auf 2 von 5 geschafft ;). Aber trotzdem war es ein unvergesslicher Tag. Wir würden auf jeden Fall ein 2. Mal herkommen und eine geführte Safari buchen, einfach weil man so auch noch was von der Tierwelt lernt.

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Und er sollte noch unvergesslicher werden, aber in negativer Erinnerung. Wir beendeten also unsere Safari und fuhren zu unserem Couchsurfing Host. Es wohnte noch ein junges Mädel (22) aus Russland, seit einem Monat, bei ihm. Angeblich eine andere Weltreisende die dort ihr Fernstudium absolviert. Und hier beginnt der verrückte Teil. Als wir auf unser Zimmer gingen (tatsächlich hatten wir ein eigenes Zimmer) gab Katja (die russische Studentin) Melina ganz still und heimlich eine Visitenkarte in die Hand. Auf der eine Nummer stand, die wir doch bitte kontaktieren sollten. Es sei wichtig und Harry solle nichts davon mitbekommen. Hab natürlich die Nummer via Whatsapp kontaktiert. Während wir auf der Terrasse mit unserem Host saßen und erzählten, schrieb ich geheim mit ihr. Sie fragte nach einer Mitfahrgelegenheit bei uns. Wir wussten nicht so richtig mit der Situation umzugehen. Fühlten uns unsicher. Jedenfalls schrieb sie, Harry (der Host) würde sie anschreien, ihr Handy zerstören, wenn sie den Haushalt nicht macht und er würde sie nicht weg gehen lassen und sie hat kein Auto und überhaupt sei er ein absoluter Psychopath. Wir seien die einzige Möglichkeit für sie diesen Ort zu verlassen, denn er würde sie nicht gehen lassen. Alles sehr merkwürdig, denn sie hätte sich jederzeit Hilfe holen können. Internet undso stand ihr ja zur Verfügung. Naja, ich willigte natürlich ein, sie morgen früh in den nächste große Stadt mitzunehmen. Harry erzählte uns, dass er sein Geld mit einer Dating Website verdient. Wir haben das ganze mal gegoogelt und es stellte sich heraus, dass 'Dating Website' jetzt nicht so der richtige Begriff ist. Viel mehr ist es eine Katalog-Brautseite für Frauen aus Russland. Für uns war die Sache also klar, warum die junge Dame dort war.
Gut geschlafen haben wir jedenfalls nicht, aber naja der nächste Tag kam und wir packten unsere Sachen ins Auto. Danach gab ich ihr Bescheid, dass wir gehen und sie kam mit ihrem Gepäck aus ihrem Zimmer und wir brachten die Koffer ins Auto. Wortlos ging das Ganze vonstatten. Erst als sie im Auto saß (sie behauptete vor Harry ihre Mutter sei krank und müsse dringend nach Hause) und ich ihm nochmal sagte, dass wir sie mitnehmen, versuchte er sie zu überreden dort zu bleiben. Ich würgte das ganze Gespräch irgendwann ab und setzte mich hinein und fuhr los. Der Weg von seinem Haus bis zum Security Gate war ca. 2 km lang. Häuser gibt es hier nur ganz vereinzelt und der Weg ist schmal und schlecht zu fahren. Auf halbem Weg kam er plötzlich mit seinem Auto hupend hinter mir her gerast. Ich hielt an und fragte was das ganze soll. Er behauptete, sie habe etwas geklaut und wir deshalb nicht weiter fahren dürfen. Ich sagte ihm, dass wir das Ganze bei der Security klären können und fuhr weiter. Leider war der Weg so schlecht, dass ich langsam fahren musste und an einer Stelle überholte er mich und versperrte den weiteren Weg mit seinem Auto. Er stieg aus und wartete. Wir warteten ein paar Minuten und Katja machte uns Angst, indem sie forderte das Auto abzuschließen, schließlich sei er ein Psychopath. Da kam uns auch der Gedanke: Was ist, wenn er eine Waffe hat? Er versperrte uns weiterhin den Weg. Und wir hatten keinen Handyempfang, um die Polizei zu rufen, also entschied ich mich auszusteigen. Ich diskutierte eine Zeit mit ihm aber es war sinnlos. Er wollte Katja bei sich behalten und behauptete als Vorwand sie habe ihn bestohlen. Die Mädels verriegelten das Auto und ich machte mich zu Fuß auf den Weg zum Gate. Ein paar Meter weiter fuhr er dann weiter und ich stieg zurück zu Melina ins Auto und wir fuhren zum Ausgang. Hier hat sich mein Puls endlich wieder beruhigt, denn es waren 3 Security Leute dort und man wusste ja nie, zu was so ein verrückter Mann imstande ist. Es gab ein riesen Streit um gestohlene Dinge. Wir wurden auch beschuldigt hinter seinem Rücken Pläne mit Katja geschmiedet zu haben. Der Park-Manager kam und wollte die ganze Sache schlichten. Jedoch gab es sowohl von Katja, als auch von Harry keinen Klärungsversuch. Sie wollte auf keinen Fall ihren Koffer öffnen und er unbedingt die Polizei rufen. Sie wirkte plötzlich nicht mehr wie das Opfer in der Geschichte, da sie zum einem scheinbar tatsächlich ein Buch gestohlen hat und zum anderem einfach nicht den Koffer öffnen wollte. Sowohl Manager als auch Securitys haben aber verstanden, dass wir mit der Sache nichts zu tun haben. Man muss dazu sagen, Harry wirkte wie ein leicht psychopathischer abgewrackter Mann. Der Park, in dem er wohnte, beherbergte eigentlich so super Reiche die mit ihren dicken Autos vorfuhren. Und er halt mit Klapperkiste und bisschen durchn Wind.
Jedenfalls machte Melina dem Mädel klar, dass wir sie nicht mitnehmen werden, wenn sie nicht endlich ihren Koffer öffnet und wir die Sache hier klären können. Daraufhin organisierte der Manager ein Taxi, das sie wohl später aus diesem Park raus befördert, sodass wir endlich aus dieser seltsam beängstigten Situation raus waren.
Als wir endlich aus diesem Park raus fuhrten, konnten wir selbst nicht glauben was hier eigentlich gerade passiert ist.
Wir hatten wohl richtig Glück, dass dieser Park mit Securitys bewacht ist und wir nicht völlig allein im Nirgendwo waren. Aber wir müssen zugeben:
Wäre Katja nicht gewesen, wäre unser Couchsurfing wohl auch nicht so dramatisch, denn zu uns war Harry sehr freundlich und großzügig. Trotzdem machte mir der Gedanke, dass hier auch Mädels allein via Couchsurfing hinkommen wirklich ein wenig Angst. Dafür kassierte Harry auch eine schlechte Bewertung bei Couchsurfing... Wir würden Couchsurfing übrigens trotzdem weiterempfehlen. In Singapur haben wir eine wirklich tolle Erfahrung gemacht. Ich denke, man muss nur eine gezieltere Auswahl treffen.
So! Kommen wir nun lieber zu einem der schönsten Momente unserer Reise...